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Handelsblatt Nr. 110 vom 09.06.04 Seite b02

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IT-Perlen sorgen für die Sicherheit im Netz

Viele junge und ambitionierte Unternehmen

Viele junge und ambitionierte Unternehmen

CONNY WÜST HANDELSBLATT, 9.6.2004 Wer beim Rhein-Main-Gebiet nur Banken denkt, unterschätzt die Hightech-Szene der Region. Wer genau hinsieht, entdeckt eine Reihe deutscher IT-Unternehmen, die den Vergleich mit internationalen Konkurrenten nicht zu scheuen brauchen.

Auch wenn die Banken schon durch ihre Bürotürme das öffentliche Bild dominieren, ist die Region Rhein-Main nicht nur von dieser Branche abhängig. Zum lebendigen Branchenmix gehören gut 6 000 IT- und Hightech-Firmen, die nach Angaben der Technologie-Stiftung Hessen aktiv sind.

Dazu zählen nicht nur bekannte Namen wie T-Online, die Software AG, Nortel Networks, CSC Plönzke oder Tenovis. Von vielen unbemerkt hat sich eine Reihe unentdeckter "IT-Perlen" etabliert, die teilweise in der internationalen Spitzenklasse mitmischen. Ein typischer Vertreter dieser Klasse ist FlexSecure aus Darmstadt. Von diesem Unternehmen stammt die Technologie für die nationale Public Key Infrastruktur (PKI). Dahinter steckt eine sichere Methode, die Authentizität von Daten und Informationen sicherzustellen: die elektronische Signatur. Sie ist eine Art digitaler Personalausweis für elektronische Geschäfte, dessen Echtheit über einen öffentlichen Schlüssel jederzeit geprüft werden kann. An die zentrale Überwachungsinstanz - das nationale Trustcenter - werden die höchsten Sicherheits-Anforderungen gestellt, denn die Zertifikate müssen fälschungssicher sein und je nach Entwicklung der Technik müssen die so genannten Schlüssel auch problemlos auf neue kryptografische Methoden umstellbar sein. FlexSecure hat sich mit diesem Auftrag neben internationalen Playern wie Verisign oder Entrust fest im Sicherheitsmarkt etabliert.

Das Unternehmen ist übrigens ein gelungenes Beispiel für den Know-how-Transfer der universitären Forschung in die freie Wirtschaft. Die Methoden wurden am Lehrstuhl von Prof. Dr. Johannes Buchmann an der TU Darmstadt, die seit Jahrzehnten ein wichtiger Impulsgeber der Technologie-Forschung in Deutschland ist, entwickelt. FlexSecure wurde gegründet, um die Technologie zu vermarkten.

Ein aufgehender Stern im boomenden Sicherheitsmarkt ist auch die Steganos GmbH. Über zwei Millionen Anwender arbeiten bereits mit der Sicherheits-Suite, meist ohne zu ahnen, dass die Produkte in Frankfurt und nicht im Silicon Valley programmiert werden. Steganos wurde 1996 von drei Freunden gegründet, als es in Deutschland noch keine Start-ups, sondern nur junge Unternehmen gab. Mit Wagniskapital von Pricap entwickelten Fabian Hansmann, Sascha Wildgrube und Gabriel Yoran ein Verschlüsselungsprodukt, das Daten in Bildern oder anderen Dateien versteckt (Steganografie). Das Programm wurde ein Hit. Heute konkurriert Steganos mit Branchengrößen wie Symantec und McAfee und deckt das gesamte Spektrum an Sicherheitsprodukten für den PC ab: Virenschutz, Verschlüsselung und Anonymisierung. Als weltweit erstes Unternehmen setzen die Frankfurter seit Oktober 2002 den neuen AES- Verschlüsselungsalgorithmus (Advanced Encryption Standard) ein.

Wie moderne IT-Dienstleistungen aussehen, zeigt die Elabs AG aus Frankfurt. Sie betreibt die komplette IT im Auftrag ihrer Kunden. Während sich die meisten Outsourcer auf große Unternehmen konzentrieren, arbeitet Elabs mit typischen Mittelständlern. Unternehmen mit fünf bis 50 Mitarbeitern besitzen oft keine eigene IT-Abteilung und müssen den Betrieb von Arbeitsplätzen und Buchhaltungssystemen nebenbei organisieren. Diesen Anwendern macht Elabs ein denkbar einfaches Angebot: Sie bezahlen für jeden Arbeitsplatz eine feste Summe, vergleichbar mit der Grundgebühr für einen Telefonanschluss. Dafür garantiert Elabs, dass die Arbeit so problemlos ist wie mit dem Telefon. Der Mitarbeiter schaltet morgens sein System an und abends wieder aus. Dazwischen gibt es keinen Kampf mit dem PC und keine Konfiguration des Servers. Alle Aufgaben erledigt Elabs wie eine interne IT-Abteilung, nur dass die Technik in einem zentralen Rechenzentrum steht.

Neben viel Ärger sparen die Kunden in der Regel auch viel Geld. Elabs erledigt beispielsweise die Lizenzierung der Software, die man im Gegensatz zu einem kleinen Unternehmen mit Großkundenrabatt einkauft. Sämtliche Dienstleistungen wie Virenschutz, E-Mail-Server, Office-Anwendungen oder die bisher verwendete Branchensoftware werden angeboten. Darüber hinaus können die Kunden einzelne Module auch kurzfristig mieten statt die Software kaufen zu müssen.

Dies sind nur drei Beispiele für die vielen jungen und innovativen Unternehmen in der Rhein-Main- Region. Und genau das macht den Reiz dieses Gebiets aus: Die Mischung aus etablierten Konzernen und ambitionierten Newcomern.

Conny Wüst ist Geschäftsführerin der Hiller, Wüst & Partner GmbH

Autor: Wüst, Conny

Serie/Beilage:
Frankfurt RheinMain (Handelsblatt-Beilage)

Branche/SIC-Code:
Computerdienste & Datenverarbeitungsdienste P7370

Länder: Hessen C4EUGE
Länderfacette: Informationstechnik

Deskriptor(en): Provinz A-Z; Technologie-Gründungszentrum
allgemein

Datenbank HB

Dokumentnummer 060409172

Objekt 1/1 Zeitungsseite Datei-Name: pdfb220040609002.pdf - Größe: 128 kB - Preis: 60 Eurocent

 Sitzung: 2049
 Logon seit: 15.06.2004 07:45 Uhr Letztes Logon am: 14.06.2004 23:09 Uhr
 
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